Traveling Light.

Dann seufzte er, es entstand eine seltsam lange Pause, so als müssten die Gedanken sich erst durch diesen Puffer aus Morphium kämpfen. Vielleicht suchte mein Vater nach einem letzten Gedanken; einem, der es wert war, jetzt noch geäußert zu werden. Denn viele würden es ja nicht mehr sein, die er noch mitteilen können würde, und vermutlich ahnte er das längst.

Mein Vater sagte schließlich: „Was für ein verrücktes Leben.“ Dann betrat, als habe sie auf ihr Stichwort gewartet, meine Mutter wieder den Raum.

„Was für ein verrücktes Leben“: Ich verstand den Satz nicht. Jedenfalls nicht aus dem Munde meines Vaters. Er hatte, so war es mir erschienen, so erscheint es mir bis heute, das genaue Gegenteil eines verrückten Lebens geführt. Verrücktheit, glaubte ich, glaube ich noch heute, hatte meinem Vater eher Angst gemacht. Sein ganzes Leben, so verstand ich es, verstehe ich es bis heute, war der Vermeidung jeglicher Verrücktheit gewidmet. Bloß keinen Gefühlen folgen, bloß alles rational angehen, bloß nicht die Kontrolle verlieren.

„Was für ein verrücktes Leben“: Ich verstehe den Satz noch immer nicht. Zehn Jahre später ist er mir weiter ein Rätsel. Eines, das ich irgendwann mal lösen sollte. Wenn es denn überhaupt eine Auflösung gibt für dies Rätsel namens Leben.

Letzten Sätzen wird ja oft zu viel Bedeutung beigemessen.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s