Trump.

Womit anfangen?

Das wird das Problem sein in den nächsten vier Jahren, Tag für Tag: Womit anfangen?

Gestern allein schon. Da steht dieser Mann im Hauptquartier der CIA vor der Memorial Wall, auf der 117 Sterne die im Laufe der Existenz dieses Geheimdienstes im Einsatz getöteten Mitarbeiter symbolisieren. Und Trump, der die lebenden, aktiven Mitarbeiter dieses Geheimdienstes vor ein paar Tagen noch mit deutschen Geheimdiensten der Nazizeit  verglichen hat (er wurde da nicht spezifischer, er wird ja nie spezifischer), labert irgendeinen unzusammenhängenden Stuss: Niemanden liebt er mehr als die Mitarbeiter der CIA, klar, echt jetzt, und dann ist da aber noch die Sache mit der Zuschauerzahl bei seiner Inauguration, eine Million, anderthalb Million, locker, und da war ja noch der Regen, weswegen die ja auch hätten zu Hause bleiben können, und der Regen wiederum, also das war, als ob Gott den Regen in dem Moment gestoppt hat, als er, Trump, ans Rednerpult gegangen ist, und dann hat eben Gott, und überhaupt ist er, Trump, ja im Krieg mit den Medien, und die lügen nur, die lügen die ganze Zeit …

Ich zum Beispiel schaffe ja nicht mal den gedanklichen Sprung, nun plötzlich Solidarität empfinden zu sollen mit der CIA.

Etwa deshalb, weil es absolut beleidigend es sein muss als Geheimdienstmitarbeiter und überhaupt Staatsdiener, Trump als obersten Dienstherrn zu haben für die nächsten vier Jahre – einen Mann, der völlig ahnungslos ist, in wirklich jeder Beziehung, und der einen gestern als Nazi bezeichnet und heute als Helden und morgen als dann noch was anderes; einen Mann, der es bislang ablehnt, das tägliche Geheimdienstbriefing zu lesen oder überhaupt zur Kenntnis zu nehmen, was unter anderem die CIA da für den Präsidenten der Vereinigten Staaten so an Informationen zusammenträgt; einen Mann, der mutmaßlich sehr bald schon unter anderem diesen Geheimdienst einsetzen wird, um – ja, was dann wohl zu tun?

Da komme ich schon nicht mehr mit. Da platzt mir schier der Kopf.

Und kurze Zeit später, wohl weil er nicht genug hat, den Trump kann nie genug haben, schickt dieser Mann dann seinen Sprecher zum ersten Mal vor das versammelte White House Press Corps, und Sean Spicer lässt dann einen fünfminütigen rant los über die vorgeblichen Lügen der Medien zu den Zuschauerzahlen bei der Inauguration, das also ist als Thema so bedeutsam, dass die erste Pressekonferenz des neuen White House Press Secretary davon handelt, aber wir reden ja auch schon von kaum was anderem, wir haben uns schon in Geiselhaft nehmen lassen von der Paranoia dieses Mannes, Trump, und Spicer reiht eine Lüge an die andere, objektiv stimmt fast nichts, was er sagt, bald schreit, und am Ende stürmt dieser Sean Spicer aus dem Saal, ohne dem White House Press Corps auch nur eine einzige Nachfrage zu gestatten, und jeder kann aber noch mal die Bildervergleiche der Inaugurationen sehen, 2009 und 2017, vor aller Augen also steht der selbsternannte Volkstribun Trump nackt da wie der sprichwörtliche Kaiser, doch es stellt sich keine Erleichterung ein darüber, dass alle den Bluff erkannt haben werden, stattdessen wird das Gefühl nur noch bedrückender: Wir sehen jemandem dabei zu, Trump, wie er eine alternative Realität erfindet, erfinden lässt, im lächerlichsten Stile mittelmäßiger Diktatoren kurz vor ihrem Sturz, doch er hat eben erst angefangen, dieser irgendwie gewählte Präsident, und es ändert auch nichts, dass diese alternative Realität lediglich der Aufplüsterung seines eigenen Egos dient, dieser Mann ist jetzt eben Präsident, und wie weit auch immer seine Version von Realität von einer objektiven, objektivierbaren entfernt sein mag – Trumps Realität wird sein Handeln bestimmen, und nicht nur die Bürger seines Landes werden die Konsequenzen zu tragen haben.

Da komme ich schon nicht mehr mit. Da platzt mir schier der Kopf.

Und während Sean Spicer im Weißen Haus wütet, ziehen draußen geschätzt eine halbe Million Frauen (und Männer) vorbei, und überall im Land und auf der Welt tun es andere auch, laufen, singen, schreien an gegen Trump. Doch diese Menschen kamen nicht vor in Spicers rant, weil sie es ja nicht dürfen, der Protest, obwohl so groß und so sichtbar, darf ja nicht einsickern in diese alternative Realität, jede Erwähnung würde die Existenz des Protests überhaupt erst bestätigen, doch was nicht sein darf, kann auch nicht sein, und so ist der Protest auf sich selbst zurückgeworfen: Er wird aus sich selbst heraus und für sich existieren müssen, im Widerstreit gegen die alternative Realität Trumps, der nun die geballte Exekutive seines Landes zur Herstellung oder zumindest Bestätigung seiner Fiktionen zur Hand hat, und in welcher Form der Protest dagegen über vier Jahre hinweg geschehen kann, weiß vermutlich noch niemand.

Aber der Morgen ist ja noch jung in Amerika, der neue Präsident wird in seinen neuen Gemächern gerade erst aufwachen, und bestimmt fällt ihm noch ein, wie er seine Gegner, die da gestern so mächtig protestiert haben, kleinmachen kann, beleidigen, herabwürdigen.

Und da ist er auch schon aufgewacht:

“Had a great meeting at CIA Headquarters yesterday, packed house, paid great respect to Wall, long standing ovations, amazing people. WIN!“

“Watched protests yesterday but was under the impression that we just had an election! Why didn’t these people vote? Celebs hurt cause badly.“

“Wow, television ratings just out: 31 million people watched the Inauguration, 11 million more than the very good ratings from 4 years ago!“

Nun, es ist halt eine Frage, womit verglichen wird. Bei Variety geht das so:

“Donald Trump‘s inauguration day ceremonies grabbed 30.6 million viewers on Friday, significantly lower than the crowd that turned out for Barack Obama’s first inauguration in 2009. Nielsen measured the 12 networks that aired any live coverage of inaugural events between 10 a.m. and 6 p.m. ET. Obama’s history-making first time out averaged 37.7 million viewers. The highest-rated inauguration remains Ronald Reagan in 1981, which brought in 41.8 million viewers.“

Aber damit anfangen? Mit Einschaltquoten? Ernsthaft? Schon ist man wieder auf Trumps Ego hereingefallen.

Eines jedenfalls ist klar: Es kann einem nicht jeden Tag schier der Kopf platzen.

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