ROBBIE WILLIAMS, 2008.

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(An einem Donnerstagmittag Ende September 2008 trat der Berater des Chefredakteurs des Magazins, für das ich damals arbeitete, an meinen Schreibtisch und sprach den Satz, auf den man als Reporter eigentlich immer wartete: “Kannst du sofort nach Los Angeles fliegen?” Nein, sagte ich, mein Pass liege gerade bei der Botschaft von Myanmar in Dahlem, aber ich könne ihn am Nachmittag abholen, und am nächsten Morgen könne und wolle ich selbstverständlich gerne sofort nach Los Angeles fliegen. Der Grund für die Reise war: Robbie Williams, so hatte es in einem britischen Revolverblatt an jenem Donnerstag gestanden, sei durch Hollywood in einem Gorilla-Kostüm spazieren gegangen. Aha. Ich dachte: Ist ja irre, aber was ist die Geschichte, und wie soll man daraus eine machen? Freitagabend Ortszeit checkte ich im Standard Hotel auf dem Sunset Boulevard ein, an der Rezeption stand neben dem Computer ein DJ und legte Ibizamusik auf, hinter dem Hotelmitarbeiter, der mich zunächst nicht einchecken konnte, weil ich keine Kreditkarte besaß, lag in einem ansonsten leeren Terrarium ein Mädchen im Bikini, auf ihrer nackten Haut waren Post-Its verteilt; vor der Rezeption stehend konnte man rechts hinaus zum Pool-Außenbereich sehen, die Party war in vollem Gange. Ich bestellte für den nächsten Morgen eine Limousine nebst Fahrer, der Tagessatz (Auto und Chauffeur) betrug 800 Dollar plus Trinkgeld. Ich ging schlafen. Mein Zimmer, stellte sich heraus, lag im Erdgeschoss zur Straße hin. Vier Nächte waren gebucht, Dienstag war Rückreisetag. Den ersten Tag, den Samstag, verbrachte ich damit, mich von dem, wie sich herausstellte, armenischen Fahrer in einem 5er-BMW zu jedem Kostümladen Hollywoods bringen zu lassen. Abends ließ ich mich von einem Taxi zu einem Club irgendwo in Hollywood bringen, Robbie Williams, hatte eine sogenannte Informantin gesagt, die sich als Bekannte des Sängers ausgab, würde diesen Club an diesem Abend besuchen, also mutmaßlich; er tat es nicht, und so trank ich ein paar Bier dort und ließ mich wieder ins Hotel bringen. Am zweiten Tag, Sonntag, buchte ich den Fahrer für einen halben Tag, damit er mich nach Encino zum Fußball und zum Mulholland Drive zum Spähen brächte. Abends fing ich an zu schreiben. Ich hatte absolut nichts. Am nächsten Morgen erfuhr ich, dass daraus die Titelgeschichte werden würde und ich sie Montagnacht Ortszeit fertig haben müsse. Ich gab zu Bedenken, bat um Aufschub: Bekäme ich noch ein paar Tage vor Ort, wer weiß, vielleicht hätte ich dann ja was. Nein, hieß es, sie bräuchten die Geschichte jetzt. Knapp sechseinhalb Jahre später hab ich sie mir gestern Abend zum ersten Mal durchgelesen, ich hatte mir eher zufällig noch mal eine Platte von Williams angehört und war bisschen übertrieben traurig darüber gewesen, dass es nie mehr so sein würde, dass jemand, ich zum Beispiel, darauf warten würde, dass wieder eine neue Robbie-Williams-Platte erscheinen würde. Bei Robbie Williams, erinnerte ich mich, hatte man immer gewusst, dass diese totale Aufregung, die er für eine Weile zu produzieren imstande war, nicht würde andauern können. Er war der Hype gewesen, dessen Ende man schon auf dessen Höhepunkt erahnen konnte – weil der Betroffene das scheinbar selbst ahnte. Ich hab mich immer für diese eine Geschichte über ihn geschämt, weil doch wirklich nichts drinstand außer Gerüchten und Mutmaßungen. Es war Boulevard, und ich hatte nie Boulevard machen wollen. Ich war bei der Lektüre der Originalversion des Textes nun aber überrascht: Gemessen am Irrwitz seines Zustandekommens ist er für einen mittelmäßigen Text relativ ordentlich mittelmäßig. Es anzuerkennen und auszuhalten und sich dessen zu erinnern, dass man einen mittelmäßigen Tag hatte als Schreiber, das ist manchmal ganz gut für die eigene Moral, finde ich. Und zum Glück gibt es den Schluss der Geschichte, der alles einordnet, was zuvor darin geschrieben steht. Als das, was es ist: nichts.)

Die Fußballsaison ist fast zu Ende in Los Angeles, in der L.A. Super Metro Division Soccer League stehen noch drei Spieltage aus, die Konkurrenzliga L.A. Premiere League hingegen ist bereits seit Ende August vorbei. In ihr ist der Avanti FC souverän Meister geworden, es ist bereits der fünfte Titel für den Serienchampion. In der letzten Saison war dem Avanti FC die Meisterschaft ausnahmsweise mal weggeschnappt worden, von einer Überraschungsmannschaft, die niemand kannte, niemand auf dem Zettel hatte und die parallel auch noch in der Super Metro Division antrat. Dort wurde sie mit nur zwei Punkten Rückstand auf den Titelträger L.A. United SC Zweiter. Das Team, das 2007 beinahe das Double in den beiden Amateurfußballligen von Los Angeles gewann, hieß LA Vale und spielt jetzt nicht mehr mit. Vielleicht setzt es nur eine Saison aus, vielleicht gibt es das Team gar nicht mehr. Genau weiß das niemand. Außer vielleicht seinem Gründer und Finanzier, über den wiederum auch niemand etwas Genaues weiß, im Moment jedenfalls oder eigentlich schon seit sehr langer Zeit: Robbie Williams.

Es heißt, er habe sich auf seinem Anwesen in der exklusiven Gated Community „Mulholland Estates“ hoch oben über Los Angeles regelrecht vergraben. Um seine schon bald zwei Jahre währende Schaffenspause zu beenden und wieder ein neues Album aufzunehmen, besagen Meldungen; nein, besagen andere Meldungen, Robbie Williams tue eigentlich seit endlosen Zeiten kaum etwas anderes mehr als einer zunehmend absurderen Obsession mit Außerirdischen nachzugehen. Mithin verbringe er seine durchwachten Nächte vorm Computer in Alien-Chat-Foren und drehe auch ansonsten langsam aber sicher: durch.

Als Beleg für letzteres darf seit vergangener Woche eine Story gelten, die das britische Boulevardblatt „Daily Star“ als Erste brachte und seither wie alle Robbie-Williams-Stories weltweit (außer in den USA natürlich) nachgedruckt wurde: Am Dienstag habe Robbie Williams zum ersten Mal seit drei Monaten Mulholland Estates verlassen, habe sich hinunter nach Hollywood fahren lassen, sei in einen Kostümladen reinspaziert – und wieder rausgekommen in einem 60 Dollar billigen Gorilla-Outfit, aber mit Sonnenbrille im Affengesicht. Williams sei dann als Gorilla noch ein wenig herumgelaufen durch Hollywood, was angesichts der Tatsache, dass zum Beispiel auf dem Hollywood Boulevard gewohnheits- beziehungsweise berufsmäßig relativ viele Menschen verkleidet herumlaufen, in Superheldenkostümen zum Beispiel, für kein wesentliches Aufsehen gesorgt habe, und so habe Williams sich schließlich nach Hause chauffieren lassen, wo er sich nun wieder verberge und halt weiter: durchdrehe.

Fotos gibt es von der Gorilla-Episode keine, was selten ist im Paparazzi-Paradies Los Angeles, wo Prominente routinemäßig bei Ausflügen aus ihren Gated Communities verfolgt werden und alles geknipst wird, was sie dann so treiben. Und sei es nur, dass sie sich bei Starbucks einen Kaffee holen.

Als gesichert kann lediglich gelten, dass Robbie Williams tatsächlich da oben in den Hills ist. Was er dort treibt, weiß niemand außer seinen Angestellten, seinem Management und den wenigen Freunden, die zu seinem Inner Circle gehören. Und von denen redet niemand, sonst gehörte er oder sie sofort nicht mehr dazu.

Sollte nun Robbie Williams an diesem Sonntagmittag mal eine Pause gemacht haben vom Musikaufnehmen oder Durchdrehen, er hätte vom Balkon seines Schlafzimmerstudios aus dem letztjährigen Fußballkonkurrenten L.A. United SC mit einem Fernglas dabei zusehen können, wie der die diesjährige Meisterschaft in der Super Metro Division vergeigte. Es liegen nur ein paar Kilometer Luftlinie zwischen dem Mulholland Drive oben und den Balboa Park Soccer Fields unten in Encino im San Fernando Valley. Und es liegt ein ganzer Planet dazwischen.

Oben verstecken sich schwerbewacht und hinter Stacheldraht in den Mulholland Estates ein paar Reiche und Berühmte – darunter neben Robbie Williams auch Brian Wilson, Charlie Sheen und Paris Hilton – vor den Zudringlichkeiten der Welt. Unten rattern die Armen und Unbekannten, die meisten von ihnen Einwanderer aus Mittel- und Südamerika, in verbeulten Familienkutschen zu ihrem Wochenendspaß: Fußball, der echte, nicht der amerikanische.

Oben hat Robbie Williams den Betontenniscourt, der zu einem seiner beiden Häuser in den Hills gehörte, vor Jahren wegreißen lassen und einen kleinen Kunstrasenfußballplatz zwischen die Bäume bauen lassen. Unten im Balboa Park gibt es kaum Bäume, nur eine riesige staubige Freifläche, auf der zwölf Kleinfeldfußballplätze in Viererreihen auf verdorrtem Rasen mit eierigen Kreidelinien markiert sind.

Und doch muss es befreiend gewesen sein für Robbie Williams, den britischen Popstar in der Fremde, den Fußballverrückten, zwei, drei Mal die Woche herausgekommen sein aus seinem wunderschönen Gefängnis Mulholland Estates – um zusammen mit ein paar Freunden auf staubigen Plätzen wie dem im Balboa Park gegen Leute zu kicken, die andere Sorgen haben, als in ihm den witzigen, traurigen Popstar zu erkennen.

Es steht zwei zu eins für L.A. United SC gegen Burbank Red Machine, als der Spielmacher von United, die Zehn, nach einem rüden Foul mit Rot vom Platz fliegt. Die Partie ist hitzig, bei L.A. United SC spielen nur Latinos, bei Burbank Red Machine nur weiße Amerikaner, das mag eine Rolle spielen; oder aber dass das Spielfeld eigentlich viel zu klein ist für elf gegen elf. Die Super Metro Division sei eine rüde Liga, hat Robbie Williams mal gesagt, und dass die Schiedsrichter fast alle parteiisch seien.

Na ja, sagt die Zehn von United, nachdem sich ihr Gemüt etwas abgekühlt hat, manchmal lägen die Referees eben daneben, so wie gerade bei ihm. Er steht hinter dem Tor seiner Mannschaft, hinter ihm wiederum sitzen Freunde und Familie der United-Spieler im Schatten eines der wenigen Bäume, zwanzig Meter weiter, unter dem nächsten Baum, sitzt der Anhang von Burbank Red Machine. Es ist das Spiel des Dritten gegen den Vierten der Super Metro Division, beide Teams müssen gewinnen, um noch eine Chance auf die Meisterschaft zu haben, aber fünf Minuten vor Schluss trifft ein Fernschuss eines Spielers von Burbank Red Machine genau oben in den Winkel des Tors von L.A. United SC. „Fuck!“, ruft die Zehn, und noch mal „Fuck!“.

Ob er sich an LA Vale erinnere, das Team, das seinem in der letzten Saison die einzige Niederlage beibrachte, eins zu null? Ja, sagt der Latino, ein flinker Mittdreißiger mit einem soliden Passspiel und guten Augen für seine Mitspieler, das sei damals auch ein hitziges Spiel gewesen. Und ob er sich noch an den Typen erinnert, den alle bei LA Vale nur „Chairman“ riefen, mittelgroß, leicht untersetzt, eher eine Kämpfernatur als ein brillanter Spieler, Robbie Williams? „Robbie Williams? Hm, irgendwoher kenne ich den Namen, aber mir fällt jetzt gerade nicht ein…“ Er ist ein Popstar, eigentlich überall auf der Welt, außer in Amerika. „Ein Sänger? Hm, weiß nicht…“

Genau wegen dieses „Hm, weiß nicht…“ ist Robbie Williams vor bald sieben Jahren nach Los Angeles gezogen. Zumindest hat er sich in diversen Interviews später entsprechend geäußert. Auch wenn ihm erst niemand geglaubt hat, dass er auf der Flucht war vor den alltäglichen Nebenwirkungen seines Ruhms in Europa; dass er sich verfolgt gefühlt hat von den Boulevardmedien, den britischen insbesondere, letztlich wohl auch verfolgt von den Nachstellungen seiner Fans in Großbritannien. Erst hieß es, Williams gehe in die USA, um damit endlich auch den letzten bedeutenden Musikmarkt zu erobern, der ihn trotz seiner gigantischen Erfolge in Europa und Asien standhaft ignorierte; „Escapology“, wenn man so will sein Umzugsalbum, klang 2002 tatsächlich ein wenig danach, als wolle er sich den Hörgewohnheiten weißer, amerikanischer Plattenkäufer annähern. Die beiden Nachfolgealben „Intensive Care“ (2005) und „Rudebox“ (2006), die ersten ohne seinen ständigen Songschreiber-Partner Guy Chambers, klangen dann aber eher danach, als habe Robbie Williams in der Einsamkeit der Hollywood Hills auch den Kontakt zu den Hörgewohnheiten der Menschen da draußen verloren, obwohl sich „Intensive Care“ noch gut verkaufte, „Rudebox“ hingegen dann vergleichsweise gar nicht.

Vielleicht enttäuscht von den negativen Reaktionen auf „Rudebox“, vielleicht nach einer achtmonatigen Welttourneen einfach erschöpft, zog sich Robbie Williams Anfang 2007 zurück und checkte bald darauf in Arizona in eine Rehab-Klinik ein, offenbar um eine Abhängigkeit von Antidepressiva behandeln zu lassen. Zurück in Los Angeles folgte die erfolgreiche Fußballsaison 2007. Und sonst eher nichts: Er befände sich im Streik gegen seine Plattenfirma EMI, hieß es in einer halboffiziellen Meldung, solange die keine funktionierende Strategie für das digitale Download-Zeitalter entwickelt habe. Das klang wie eine eher fadenscheinige Ausrede für Faulenzen. Oder für das, was man in Künstlerkreisen eine kreative Krise nennt. Oder eben doch für die These vom Durchdrehen eines Superstars, der einst ausgerechnet ins Herz der Finsternis des modernen Starwesens, nach Los Angeles geflüchtet war, um seinem Ruhm zu entkommen. Das könnte am Anfang wunderbar funktioniert haben, doch nun könnte begonnen haben, was schon anderen, noch größeren Pop-Legenden widerfahren ist: Das Wunderlich-Werden in der einerseits selbstgewählten, andererseits erzwungenen Isolation, die alte Geschichte von verwunschenen Traumort Xanadu, in dem sich der einzige Bewohner verliert, wie in Orson Welles‘ berühmten „Citizen Kane“. Elvis und Graceland, Michael Jackson und Neverland, Robbie Williams und Mulholland Estates?

Je mehr sich Robbie Williams jedenfalls in die Hollywood Hills zurückzog, je weniger er Nachrichtenmaterial lieferte, umso bunter wurden die Geschichten, die über ihn erschienen. Das Jahr 2008 ist bislang voll davon, aber weil sein Management nie Meldungen über Robbie Williams’ Privatleben kommentiert, ist keine einzige davon auch nur ansatzweise bestätigt. Die Geschichten verselbständigen sich. LA Vale, hieß es zum Beispiel, habe Robbie Williams aufgelöst, weil es angeblich Streitigkeiten um Geld gab – aber wo soll in einer Feierabend-Fußballtruppe Geld fließen? Dann ging es mit den Alien-Geschichten los – dabei hatte Robbie Williams bereits 2004 in der bislang einzigen autorisierten Biografie über ihn, „Feel“ von Chris Heath, indirekt sein Interesse an allem Übersinnlichen und Paranormalen zugegeben.

Die einzigen zwei richtigen Interviews, die Robbie Williams 2008 gab, handelten dann allerdings einzig und allein von seiner Faszination für Aliens und UFOs. Das erste Interview war für eine seriöse BBC-Radiodokumentation über paranormale Erscheinungen, das zweite war der Mitschnitt eines Gesprächs, das er mit den Betreibern der abstrusen, aber letztlich harmlosen Verschwörungstheoretiker-Website abovetopsecret.com auf einer Ranch in Oregon geführt hat. Williams war dorthin mit seiner Freundin Ayda Fields gefahren, um Ausschau nach UFOs zu halten. Okay, das ist schon etwas seltsam. Aber in dem Mitschnitt, der seither für diverse Robbie-und-die-Aliens-Story herhalten musste, klingt er eigentlich ganz wie der alte Ironiker, als den man ihn kennt: Auf die Frage etwa, wie er auf abovetopsecret.com als seine momentane Lieblingswebsite gekommen sei, antwortet er „Psychose? Paranoia?“ und lacht schallend. Seine Mutter sei auch schon an allem Übersinnlichen interessiert gewesen, und er habe halt drei eigene Erlebnisse mit Lichtphänomenen gehabt, eines davon im Garten des Beverly Hills Hotel, eines auf dem Balkon vor seinem Schlafzimmerstudio, von dem aus man diesen fabelhaften Blick über das San Fernando Valley hat. Jedes Mal seien auch andere Leute Zeugen gewesen bei diesen Erscheinungen, und nun wolle er eben gern wissen, was dahintersteckt. Die Zeugen traten dann nie auf.

Man kann das als Zeichen für Realitätsverlust deuten; man kann es auch für einen harmlosen privaten Spleen eines Popstars halten, der gerade nichts anderes zu tun hat. Als in dem Mitschnitt dann Ayda Fields darüber spricht, dass ihre Großmutter zu dem Kreis um den berüchtigten Staatsanwalt Jim Garrison gehörte, der hinter der Ermordung John F. Kennedys eine Verschwörung vermutete und dessen Geschichte später die Grundlage für Oliver Stones umstrittenen Film „JFK“ bildetet – da fragt man sich eher, ob Ayda Field nicht erheblich größeres Talent zur Paranoia hat als Robbie Williams. Die Meldungen jedenfalls, Fields habe sich von Williams wegen dessen Alien-Geschichten getrennt, klingen angesichts dieses Hintergrundes eher unwahrscheinlich.

Und nun also die Sache mit dem Gorilla. Wenn man in diesen Tagen die Kostümläden von Hollywood abfährt, bekommt man überall ungefähr die gleiche Antwort: „Robbie who?“

Bei „Hollywood Toys & Costumes Inc.“, einem Verkleidungskaufhaus, das bis unter die wohl sechs Meter hohen Decken mit Kostümen und Perücken vollgestopft ist, sagt der Geschäftsführer „Robbie Williams, meinen sie den Schauspieler?“, und dass sich keiner der Mitarbeiter erinnern kann, dass irgendwer irgendwann einmal in einem Gorillakostüm aus dem Laden spaziert sei. Die Besitzerin von „Adele‘s of Hollywood“ guckt extra in ihrem Verkaufsbuch nach, aber: Nein, am vergangenen Dienstag sei kein Gorilla-Kostüm verkauft worden. Bei „Hollywood Magic Inc.“ schauen sich die vier Verkäufer beim Namen Robbie Williams ratlos an, und bei „Aahs!“ auf dem Sunset Boulevard schließlich haben sie zwar ein 60-Dollar-Gorilla-Kostüm im Angebot, aber keiner der Mitarbeiter kann sich erinnern, wann zuletzt eines davon verkauft wurde.

Wo immer der „Daily Star“ also seine Geschichte von dem namenlosen Kostümshop und dem namenlosen Ladenbesitzer her hat, es könnte auch eine typische Boulevard-Ente sein; und selbst wenn die Geschichte stimmen sollte: Am 31. Oktober ist Halloween. Auch Popstars brauchen in Los Angeles ein Kostüm für die Halloween-Party, und wenn es einem Spaß macht: Warum sollte er nicht ein bisschen damit auf der Straße herumlaufen?

Robbie Williams Anwesen hoch oben in den Hollywood Hills liegt derweil still in der warmen kalifornischen Spätsommersonne. Wenn man vom Mulholland Drive aus genau zwischen den Stichstraßen Sevy Lane und Beverly Ranch Road durch die dichten Bäume schaut, meint man die Umrisse des Zauns zu erkennen, der Williams’ Kunstrasenfußballplatz umgibt. An dem Sonntagnachmittag, nachdem der L.A. United SC die Meisterschaft weggeschenkt hat in der Super Metro Division, hört man dort oben das Geräusch, das ein Lederball macht, wenn ihn jemand locker herumkickt, allein.

Es könnte aber auch nur Einbildung sein. Wie so vieles, eigentlich alles, was die Menschen von und über Stars denken, denken wollen.

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