Happy 2013-2014.

Vielleicht nehm ich Pharrell Williams auch einfach zu persönlich. Zweimal interviewt, einmal in einem durch Berlin rund ums Ritz Carlton eiernden VW-Bus (der Fahrer war instruiert, eine halbe Stunde Gesprächszeit durch unauffälliges Im-Kreis-Fahren rauszuholen, ohne dass Williams’ ortsunkundiger Bodyguard es merken sollte; hat 1a geklappt und 1a nichts genutzt), einmal auf einer festvertäuten Motoryacht im Hafen von Cannes: Zweimal ist Williams eingeschlafen. Beziehungsweise: Beim zweiten Mal war dann klar, dass das sein Trick ist. Pharrell Williams, das muss man ihm lassen, kann super mit den Augenlidern flattern. Erst sehr hektisch, dann langsam langsamer. Und langsamer. Und laaa – dann ist er weg. Zehnsekundenschlaf. Hochschrecken. Eyes wide open. Och, der Pharrell ist müüüüüüde. Och, der Pharrell würde jetzt gern über was anderes reden als Musik und Mode. Worüber denn bitte? Auf welchem Gebiet besitzt der Mann ansonsten Expertise? Girls? Gähn. Bling? Buh. Hab’s mal mit Weltfrieden versucht, da machte der Pharrell immerhin ein lustiges Gesicht: “WHAT? You gotta be kiddin!'” – “Exactly, Pha Real, I was just kidding.” Nur: Gibt natürlich auch nichts Öderes als Dienstleistungsmentalitätsinterviews, wo man als Interviewer vom Interviewten ein auswendig gelerntes PR-Briefing aufgesagt bekommt, und Interviews mit Leuten, die schon mehr als drei im Leben gegeben haben, sind an sich ja schon öde, meistens. Gibt da absolut nichts zu erfahren. Ist wie im richtigen Leben: Da gibt es meistens doch auch absolut nichts zu erfahren. Man performt halt seine eigene Sozialverträglichkeit und nennt es Gespräch, schlimmstenfalls gar ein gutes. Irgendwo mal eine Statistik gelesen, wie hoch der Informationsgehalt einer durchschnittlichen menschlichen Konversation ist, logisch, erschütternd gering (deswegen die genauen Zahlen auch gleich wieder vergessen). Interviews mit bekannten Menschen sind nicht nur insofern aber keine üblichen Gespräche, als dass sie meist einen vorher definierten Zeitrahmen haben und vorher definierte Rollen der Beteiligten (Fragender und Antwortender), und dass beiderseits jeweils klare Interessen bestehen – in Interviews mit bekannten Menschen gibt es vor allem keine Wahrheitspflicht respektive nicht die übliche beiderseitig geltende Vereinbarung, zumindest so zu tun, als lüge man sich nicht nach Strich und Faden an. Eigene Erfahrung: Die Interviews mit bekannten Menschen, in denen der Antwortende offensichtlich log oder die Wahrheit wenigstens auf Pointe zurechtbog, waren eigentlich immer die unterhaltsamsten. Und weil sich Pharrell Williams nicht mal die Mühe gab, gut zu lügen, sondern einfach schlecht ein Einschlafen schauspielerte – deswegen waren die Treffen mit ihm auch für den Interviewer so unerfreulich. Sich keine Mühe geben: Das ist doch scheiße. Und andererseits, wenn man damit durchkommt wie Pharrell Williams immer wieder: auch beneidenswert. Aber, nein: Bei seinen Liedtexten zum Beispiel, da gibt Pharrell sich ja ebenfalls nie Mühe, und deswegen auch kann einem “Happy” so ungeheuer auf den Sack gehen (sogar wenn man es nur einmal hört und NICHT GOTTVERDAMMTE 24 STUNDEN AM STÜCK): “Klatsch in die Hände, wenn du dich auch fühlst wie ein Zimmer ohne Decke”??? Mal abgesehen davon, dass man sich als Mensch schlecht ins Gefühlsleben unbelebter Materie einfühlen kann, selbst wenn ein Zimmer ein komplexeres Gebilde ist als, sagen wir, ein Stück Brennholz – was zur Hölle sollte denn der Gemütszustand eines Zimmers ohne Decke sein? “Oh wie schön, die Bauarbeiter haben vergessen, mich obenrum zuzumachen, jetzt kann es immer schön reinregnen”? Ach, in Kalifornien regnet es ja nie, und wie sonst als kalifornisch sollte man “Happy” verstehen – als einen Song aus dem Fundus des modernen glücksideologischen Verblendungszusammenhangs? Und in Kalifornien, blend-blend, ist ja nie ein Wölkchen am Himmel? Pharrell, wo immer dir die auch rausscheint, meine kalifornische Sonne kriegst du nicht, und deine, huah, bodenlose Vorstellung von Glück kann mir gestohlen bleiben: 2013 war doch ein rechtes Kackjahr, über echt weite Strecken jedenfalls – gut also, dass es damit in paar Stunden vorbei ist. (Und “Happy” ist wirklich viel nervtötender als “Get Lucky”. P.S.: Eigentlich auch gerade bloß genervt, weil’s mir beim Bierkästenheben ins Kreuz gehauen hat. Beim Bierkästenheben! Silvester mit ABC-Pflaster: like a room without a roof.)

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