Lauter gute Vorsätze (Downton Abbey II).

Welche Staffel “Downton Abbey” läuft jetzt noch mal über die Weihnachtstage im ZDF gerade? Die zweite? Jesus. Da war doch eigentlich schon alles zu spät. Und trotzdem weitergeguckt. Gestern Nacht und heute Morgen gar das aktuelle Weihnachtsspecial von Staffel 4. Bei so einer 90-Minuten-Folge wird dann erst mal so richtig eklatant deutlich, wie sehr sich diese Serie im fortgeschrittenen Stadium selbst brutal einbremsen muss in der von ihr erzählten Zeit, schon weil sie sonst aus rein biologischen Gründen wirklich mal paar Figuren langsam sterben lassen müsste (Matthews Tod war ja eher ein Kollateralschaden: Da hatte die Serie ihn mühsam durch den Ersten Weltkrieg gekriegt, ganz soldatisch versehrt und geschlagen mit Impotenz, und kaum, dass er wieder laufen konnte plötzlich – da wollte der Matthew-Darsteller raus aus der Serie, smart nennt man einen solchen move dann wohl eher nicht). Diejenigen Figuren, die Maggie Smith und Shirley MacLaine verkörpern, wären die ersten, die logischerweise beim Sensenmann dran wären; aber insbesondere Smith zu verlieren, das kann sich “Downton Abbey” tatsächlich nicht leisten, obwohl die Countess of Grantham (beim Aussprechen des Adelstitels das Bild einer Staubwolke mitdenken, die das Zusammenklappen eines großen, dicken, alten Buches produziert, das jahrzehntelang auf einem Dachboden durchgeschimmelt ist; hüstel) als Symbol der alten Ordnung eigentlich ausgedient hat. Diese Funktion hätte ja doch längst ihr Sohn übernehmen müssen, im Widerstreit mit dessen Tochter Mary und deren plötzlichem Interesse für Schweinestallromantik respektive die Zukunft der Landwirtschaftsbetriebe des estate derer der Granthams. Aber, leider, leider: Der Lord hat weder Herz noch Humor von Julian Fellowes ins Skript geschrieben bekommen, er hat bloß Haltung abgekriegt, dummerweise jedoch die einer windschief im gräflichen Park vor sich hin rottenden Marmorstatue. Und so begab es sich, dass die vierte Staffel von “Downton Abbey” eine einzige Quälerei war. Mary musste folgenlang vor Trauer schier vergehen, bevor die Verehrer der ja noch im besten heiratsfähigen Alter befindlichen Witwe einen so langen wie unerquicklichen queue zu bilden begannen, dass Mary blitzwiederbelebt wurde als love interest, sich aber nicht entscheiden konnte / mochte / durfte, wer denn nun der Auserwählte sein möge; das Herausschieben von Entscheidungen scheint mittlerweile das wesentliche narrative Element von “Downton Abbey” zu sein, ZUM ZEITGEWINN, was für eine Serie ja doch immer ein böses Zeichen ist: Es gibt nicht mehr viel zu erzählen, also zieht man das wenige auch noch in die Länge. Edith, poor Edith verlor mal wieder möglicherweise ihr Glück, wurde indes serienscheinschwanger, man sah nix um die Bauchgegend herum, hörte aber andauernd davon, wie niemand davon hören durfte, dass Edith schwanger sei, das Kind ja aber dann unmittelbar nach dessen Geburt in der Schweiz wegzugeben gedachte, die Schande, oh die Schande; und eine geschlagene halbe Staffel brauchte es außerdem, bis schließlich im christmas special nun auch bloß eine völlig fadenscheinige Erklärung nachgereicht wurde für das vom Boden verschluckteste Verschwinden einer Serienfigur ever, das von Ediths Dann-ja-wohl-doch-nicht-oder-vielleicht-man-weiß-es-nicht-es-interessiert-einen-aber-auch-nicht-denn-es-ist-ja-nur-Edith-Zukünftigen in München (ein Kampf mit einer Horde Braunhemden, die Nazis also werden ihr düsteres Haupt in Staffel 5 erheben; großes Schaudern). Und ansonsten? Eine sehr unverkrampft eingemischte Vergewaltigung, ein bisschen Sühnemordverdacht bei Mister Bates, und dann war da noch die junge (mitdenken: dumme) Rose, die sich erst in einen schwarzen Sänger verliebte (“Downton Abbey” war erwartbarerweise überfordert bei einer solch eminenten gesellschaftspolitischen Frage für das ja während der Serienhandlung langsam in die Epoche des Postkolonialismus eintretende Großbritannien) und sich danach ganz auf ihre Einführung in die Londoner Gesellschaft konzentrieren konnte als Debütantin: Rose ist eine derart lieblos gepflegte Serienfigur, dass man sie auch durch ein Möbelstück ersetzen könnte, das Butler Carson hin und wieder mal durchs Bild schieben könnte, von links nach rechts und von rechts nach links und von … To cut a long story short, die guten Vorsätze für 2014 lauten:

1. Nie wieder “Homeland”.

2. Nie wieder “Downton Abbey”.

3. Nie wieder Zigaretten.

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