A.P.C.

Mit Modemarken führt man ja so eine Art Beziehung. Manchmal hat man mit ihnen auch nur eine Affäre oder einen One-Night-Stand, und die kommen einem dann meistens am teuersten zu stehen: Don’t mess with Saint Laurent. Ich bin mit A.P.C. jetzt seit ungefähr 15 Jahren zusammen, mal enger, mal loser, aber wenn ich ehrlich bin: In letzter Zeit hatten wir nicht mehr sehr oft Sex. Und wenn, war der sehr sachlich. Fast kühl. Ein Paar Stiefel da, eine Hose dort, ja. Doch das Problem ging irgendwie vor paar Jahren schon los, mit den Hemden, genau: mit Hemden bin ich als erstes fremdgegangen. Band of Outsiders und Thom Browne haben halt doch schönere mittlerweile, und wenn gerade Sale ist, kann man sich das Fremdgehen mit denen sogar halbwegs leisten. A.P.C., das war früher das Versprechen auf Paris im Frühling, im Jardin du Luxembourg spielten sie schon wieder Tennis und die ersten Blumen blühten, und von dort waren es nur ein paar Minuten zu Fuß zum Magasin général, und da hingen schon die ersten Sommerkleidchen für die Mädchen – ja, Scheiße, das ist natürlich grauenhafter Frankreichkitsch, die ewigen Nachwirkungen von Eric Rohmer und “La Boum” und Phoenix-Musik und was-weiß-ich-noch. Aber das Konzept funktionierte. Eigentlich am besten außerhalb Frankreichs, denn da markierte ein A.P.C.-Laden sozusagen den letzten zivilen Außenposten in der Wildnis, New York ohne den A.P.C.-Laden auf der Mercer Street, Los Angeles ohne den A.P.C.-Laden um die Ecke der Melrose Avenue: unvorstellbar, unerträglich, die Hölle. Und in der Hölle, da sind schlimmstenfalls die Handtaschen (bäh) der Frauen von Marc Jacobs und die Klamotten der Männer von Givenchy (neuerdings auch von Kenzo: Ich glaub ja wirklich nicht an das Remake des Labels durch die Opening-Ceremony-Leute, sorry). Und vorm Verglühen in der Hölle konnte man immer in einen A.P.C.-Laden flüchten, das war dann das safe house, Tür zu und durchatmen, bei A.P.C. gab es kaum Handtaschen und fast nie MUSTER oder gar DRUCKE auf Frauen- und Männerklamotten; aber die Behauptung, das sei ja bloß ein stumpfes Anti-Fashion-Statement, stimmte natürlich nie, A.P.C. hatte stets eine positive Aussage, sie lautete für Männer zirka “Romantiker können auch cool aussehen, weißt du, aber du solltest jetzt langsam mal auf dein Gewicht achten”. Doch A.P.C., das war selbst in den schlimmsten Modesaisons auch manchmal nur: die Nummer sicher. Mehr gleiches vom gleichen. Das, ja doch, fing irgendwann an zu langweilen. Und deshalb lauf ich heute, wenn der Laden gleich aufmacht und der Sale beginnt, bloß zum Sichergehen hin: ob es auch stimmt, was ich glaube, nämlich dass ich wirklich nichts verpasst habe, diese Saison. (Wegen des Sale gibt es diesen Text heute übrigens überhaupt: Gestern kam die Email von A.P.C., und wer keine gekriegt hat, für den also noch mal offiziell, HEUTE GEHT BEI A.P.C. WELTWEIT DER SALE LOS, viel Spaß auch, irgendwo wird ja wohl ein A.P.C.-Laden in der Nähe sein, und dieses graue Männersweatshirt mit den Arm-Patches, ja, es ist nicht gerade die Neuerfindung des Sweatshirts, aber es hat eine gute Passform, die einen, und das ist ja immer das wichtigste: dünner erscheinen lässt, als man obenrum mittlerweile ist).

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