Wüste.

borderinn

Der angenehmste Tag des Jahres begann im Border Inn, einer Tankstelle mit angeschlossenem Spielsalon und Motel am Highway 50 exakt auf der Grenze zwischen Nevada und Utah. Die Zapfsäulen stehen auf der Utah-Seite (Benzinbesteuerung), die einarmigen Banditen auf der Nevada-Seite (Glücksspielgesetzgebung). Wir waren am Abend zuvor aus dem Goshute-Reservat ein Tal weiter nördlich gekommen, dort hatten wir ein paar Tage mit Ed verbracht, dem Chef, wir hatten Wildpferde beobachtet, zwei Stunden lang eine Elchherde verfolgt und einem Polizisten dabei zugesehen, wie er es schaffte, mit seiner M16 ein ganzes Magazin auf einen Kojoten abzufeuern, ohne den Kojoten ein einziges Mal zu treffen; jedenfalls fanden wir hinterher keine Blutspuren, und der Reservat-Cop, nicht mal 25 Jahre alt, spuckte verlegen Kautabak in seinen Metallkaffeebecher. Vom Border Inn dann fuhren wir morgens los zu Dean Baker, dem die größte Farm des Snake Valley gehört, er zeigte uns die Muttertiere und die gerade geborenen Kälber, die noch im Gatter direkt an der Farm standen und nicht auf den Weiden im Tal, und er zeigte uns seine vier Flugzeuge in der Garage, darunter eine steinalte Piper aus den 50er-Jahren; der alte Dean flog seine Herden manchmal noch selbst ab, es fand sich schon irgendeine Ausrede, die dann ungefähr so ging, dass keiner seiner drei Söhne Zeit hatte und es aber dringend nötig war, dass jemand nach den Tieren sah, von oben. Am Nachmittag fuhren wir zu den beiden öffentlichen Hearings, die der Gouverneur von Utah angesetzt hatte wegen des Wasservertrags mit Nevada, wir fuhren fast durchs ganze Tal, immer den beiden SUVs des Gouverneurs hinterher, die mit 80 Stundenmeilen über die Schotterpisten rasten; auf einmal waren die beiden SUVs plötzlich verschwunden, obwohl wir doch eben noch in ihren Staubwolken gefahren waren, halbblind, und im Snake Valley kann man sich eigentlich weder verstecken noch verfahren, da ist einfach nichts außer hellbrauner Steppe. Wir einigten uns auf die Erklärung: Der Gouverneur hatte bestimmt pissen müssen, und seine Leute wussten, wie man es anstellte, dass absolut niemand dem Gouverneur beim Pissen zugucken konnte, sie konnten einfach so – vom Erdboden verschwinden. Als das zweite Hearing vorbei war und wir mit der Goshute-Abordnung noch kurz geschwatzt hatten, begann es zu dämmern, die Dunkelheit fiel regelrecht übers Tal, fast so, als hätte jemand eine riesige Decke darüber gezogen, über die Snake Range, die Deep Creek Mountains und die Confusion Range, die das Snake Valley topografisch begrenzten. Ungefähr 25 Meilen vorm Border Inn begann die Reifendruckanzeige unseres Mini-Jeeps ziemlich hektisch an zu leuchten. Es war jetzt stockfinster draußen, auf dem Weg bis zum Border Inn stand nur ein einziges Haus noch, das hatten wir bei der Hinfahrt gesehen, doch das Haus hatte verlassen ausgesehen. Wir stiegen aus unserem Mini-Jeep und hörten es aus dem linken Vorderreifen pfeifen: pffff. Let’s try, murmelten wir und fuhren einfach weiter, 40, 50 Stundenmeilen, der Scheißreifen wird schon halten, sagten wir uns, der muss, und tatsächlich schafften wir es bis zum Border Inn, die letzten Meilen eher dreirädig. Plattfuß, aber den Notreifen konnten wir auch am nächsten Morgen noch dranschrauben, es war nun auch egal, noch zwei Bier und dann gute Nacht. Und ansonsten war eigentlich gar nichts passiert. Außer einem guten Tag halt, on the road.

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