Wes Anderson.

Gestern Nacht, Wes-Anderson-Party, Brunnenstraße (Berlin, klar). Wie zu erwarten eigentlich, hatten sich die meisten Männer nicht besonders große Mühe gemacht mit ihren Kostümen, das bei ihnen mit Abstand am häufigsten vorkommende war das Team-Zissou-Kostüm, ist ja auch nicht schwer, rote Wollmütze, hellblaues Hemd, fertig; bei den Frauen war, auch wie zu erwarten eigentlich, Margot Tenenbaum das am häufigsten vorkommende Kostüm, hellbraune Pelzjacke, hellblaues Kleidchen, Seitenscheitel, Haarspange, dicker Kajalstrich. Wobei dann eben doch die Frage auftauchte: Gab es so viele Margots in erster Linie deswegen, weil deren typische Bekleidung einfach zu imitieren und dabei unmittelbar wiedererkennbar ist – oder eher weil Margot als Figur eine super Projektionsfläche ist? Ging es also doch um mehr bei dieser spezifischen Kostümierung, um eine semitragische Selbstzuschreibung, das traurige Mädchen, gefangen in der ja nur vermeintlich nicht lebbaren Liebe zu Richie, denn der ist doch gar nicht Margots leiblicher Bruder? Das identifikatorische Potenzial von Wes-Anderson-Filmen jedenfalls ist offensichtlich, Wes Anderson, klar, ist der Tolkien der, hmm, kulturnahen, modeaffinen, urbanen, irgendwie jungen Stände, bestenfalls mit Scheidungskindvita; und Kostüme und Ausstattung von Andersons mittlerweile so hermetischer Parallelwelt sind die Einladung in selbige (eine Wes-Anderson-Kostümparty macht auch derart totalen Sinn, dass man sich wundert, warum es nicht jedes Wochenende welche gibt, in Mitte, Brooklyn, Silverlake und so weiter; aber vielleicht ist man auch nicht aufmerksam genug und kriegt es einfach nicht mit, dass es sie womöglich andauernd gibt, diese Partys). Aus der Beobachterposition an der Wand lehnend sich erneut die Frage gestellt: Inwieweit lässt sich auch die alltägliche modische Praxis dieser Stände zum Beispiel auf Wes-Anderson-Filme zurückführen, und was würde dieser Umstand aussagen, über modische Oberflächen hinaus? Ist Vintage als umfassende Gestaltungsidee (Klamotten, Möbel) überhaupt erst seit den “Royal Tenenbaums” so wirkmächtig bei diesen Ständen (wenn man mal davon ausgeht, dass Andersons Filme davor, “Bottle Rocket” und “Rushmore”, eben ästhetisch noch nicht komplett abgeschlossene Parallelwelten waren, dazu war deren jeweiliges Budget wohl noch nicht groß genug)? Hat das Hipster-Mützchen seinen Ursprung in “The Life Aquatic”? Wäre das Preppy- und College-Look-Revival der vergangenen Jahre überhaupt ohne Wes Anderson denkbar gewesen? Und warum fühlt sich das alles so gut an? Bei der Wes-Anderson-Party auf der Brunnenstraße ließen sich keine wesentlichen Antworten darauf finden, sie funktionierte als Party auch gar nicht, es lief unpassenderweise HipHop, musikalisch also vertraute man lieber nicht der Wes-Anderson-Parallelwelt, aber getanzt hat trotzdem niemand; für die Länge von zwei Gläsern Seabreeze (Wodka, Grapefruitsaft, Cranberrysaft; keine Ahnung, aus welchem Wes-Anderson-Film dieser Drink ist) ließ es sich aushalten. Man konnte etwa einem sehr gut aussehenden Margot-und-Richie-Paar (möglicherweise wollte er auch Max Fischer sein, genau ließ sich das nicht feststellen, sein Kostüm war etwas unentschlossen, seine Barttrimmung ebenfalls) beim Performen seiner Verliebtheit in der Raummitte zusehen, was allerdings auch bedeutete: Diese Margot sah erheblich zu glücklich aus für ihr Kostüm, sie fiel doch sehr aus der Rolle. Aber irgendwo muss die Filmimitation ja auch aufhören und das Leben beginnen.

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